Alles auf Null!

Über negative Dinge zu schreiben ist ja ein Thema, das viele nicht verstehen bzw. auch gar nicht nach außen tragen wollen. Gerade in Deutschland wird Scheitern äußerst negativ betrachtet. Aber mal ehrlich, was ist denn schlimmer? Eine Firma komplett gegen die Wand zu fahren? Oder man erkennt, dass man etwas ändern muss und so eine Möglichkeit hat, bei null zu beginnen?

Veränderung ist in erster Konsequenz ein Rückschritt. Viele haben Angst diesen Weg zu gehen!

Man könnte sein Ansehen und seinen Ruf verlieren, man fragt sich was denken meine Kunden und was meine Mitarbeiter, finanzielle Einbußen sind zu befürchten. Ja das alles ist ein Thema! Aber nochmal, was ist besser?

Ein Unternehmen zu führen das man so eigentlich nicht haben will nur um den Anspruch von außen gerecht zu werden? Als Unternehmer muss man sich immer wieder hinterfragen. Was ist richtig, was ist falsch? Was muss sich ändern und was kann ich selber ändern? Das wichtigste: Was will ich für mich und mein Unternehmen? Ein Rückblick:

 

Die letzten Monate waren mal wieder sehr aufreibend. Als Unternehmer mit mittlerweile 9 Jahren in der Selbstständigkeit dachte ich, ich habe bereits viel erlebt und kenne mich nun doch schon bisschen aus. Weit gefehlt. Aber was war denn passiert?

 

Die konsequente Umstrukturierung meines Malerbetriebes hin zum Spezialisten für dekorative Gestaltungen schreitet immer weiter voran. Für mich viel zu langsam aber das liegt wohl in der Natur der Sache. Mir kann nichts schnell genug gehen.

 

Dass dieses schnell aber nicht immer gut ist, durfte ich in diesen 9 Jahren leider auch schon erleben. Daher habe ich mir diesmal Zeit genommen. 3-5 Jahre waren und sind das Ziel. Die ersten 3 Jahre sind nun bereits rum. Interessanterweise habe ich genau zu dieser Zeit meinen Mentor Robert Paulus kennengelernt. Wie sollte es anders sein, auf einem Workshop für fugenlose Oberflächen. Der Workshop war, naja lassen wir das, kurz gesagt das Abendessen mit Robert war deutlich spannender.

 

Ein Satz bzw. ein Tipp von diesem Abend blieb mir immer im Kopf. Es ging um diesen Schritt vom Maler zum Gestalter und wie er diesen Weg gegangen ist. Robert meinte:

Wenn du dich als Spezialist auf dem Markt durchsetzen und glaubwürdig sein willst, musst du komplett neu starten! Die „normalen“ Malergesellen sind meist nicht bereit, diesen Schritt zu gehen. Trenn dich von deinem Team und fang bei Null an! 100 % konsequent“

 

Das hat gesessen und ehrlich gesagt, ich habe Ihm nicht geglaubt.

So bin ich halt. Ich höre mir viele Dinge an und bilde mir dann selbst meine Meinung. Die ist sicherlich nicht immer richtig aber ich kann für mich behaupten, dass ich meinen Weg gehe! Und dass meine Entscheidung dann wohl nicht richtig war, kann ich jetzt nach 3 Jahren bestätigen.

 

Das Malerteam blieb. Wir hatten immer mal wieder hochwertige Anfragen und auch Aufträge aber so richtig wollte das Ganze nicht ins Rollen kommen. Als 0815 Malerbetrieb hat man einfach nicht den Stellenwert und die richtige Positionierung am Markt.

 

Was nun? Die ersten Schritte waren längst getan. Ein neuer Firmenauftritt (hier) wie in diesem Blogbeitrag beschrieben wurde bereits umgesetzt. Die Wahrnehmung am Markt drehte sich langsam in die richtige Richtung. Zufrieden war ich aber noch nicht.

 

Anfang des Jahres 2017 kam ich dann zum dem Entschluss, ich biete keine Standardarbeiten mehr an! 100 % konsequent! 

Das Ergebnis war ebenso konsequent! Aus den Auftragsbüchern der letzten Jahre wurde, das Auftragsbuch.  

Und da war er wieder! Dieser Satz!

„Trenn dich von deinem Team und fang bei Null an!“

 

 

Jetzt oder nie, dachte ich mir!  So wurden Einzelgespräche geführt und ich muss ehrlich zugeben, das sind Gespräche die keiner gerne führt und die machen einfach auch keinen Spaß - ABER sie waren für mich und meine Vision notwendig.

 

Das Ergebnis, ich stand ein paar Wochen später da wo ich 2009 begonnen hatte. Alleine, mit einem Lehrling und einer Vision!

 

Der Vorteil. Durch die letzten Jahre habe ich viele gute Kontakte und ein tolles Netzwerk in Regensburg aufgebaut, mit der eigenen Produktschiene Lamurista haben wir einzigartige Möglichkeiten für unseren Kunden geschaffen und ich habe jemanden als Mentor, der diesen Weg in der Praxis auch schon gegangen ist.

 

Es gibt viele, die von sich behaupten Sie haben eine Strategie oder ein Konzept das einem hilft sich am Markt zu positionieren. Ich für meinen Teil tu mich sehr schwer, wenn das Personen behaupten die es in der Praxis nicht beweisen! Zumindest wenn man weiß, was sich hinter der einen oder anderen Fassade wirklich abspielt.

 

Viel Geld wurde hier auf das falsche Pferd gesetzt, auch in eine professionelle Unternehmensberaterin wurde investiert, doch nichts brachte mich wirklich weiter! Lehrgeld! Mal wieder!

 

Alles auf Null!

Ich hätte aus den letzten Jahren nichts gelernt, wenn ich nicht auch schon die nächsten Schritte im Kopf hätte. Als erstes musste ein kompetenter und topmotivierter Malermeister an meine Seite. Die ersten Kontakte gab es hier schon vor seiner Meisterschule. Thomas war sofort von meiner Idee und Vision begeistert.

 

Eine Grundvoraussetzung! Wer diesen, meinen Weg nicht zu 100% mitgehen will ist nicht der Richtige!

 

Nun sind wir also seit paar Monaten in einem kleinen Team unterwegs. Viele meiner Kollegen oder auch Freunde waren entsetzt über diese Entwicklung. „Da geht dir doch viel Umsatz verloren!“

Das alles interessiert mich nicht. Unser Weg ist klar formuliert und die letzten Monate geben uns recht.

 

Die Auftragsbücher sind jetzt wieder voll. Schon bis März 2018 sind die ersten Aufträge fixiert und terminiert. Das Beste daran, es sind zu 90 % nur noch Gestaltungsarbeiten und fast täglich kommen neue Anfragen. Fugenlose Bäder und Böden, Sichtbetonwände, schöne Designer Tapeten, ja und auch mal eine schöne Fassade.

Ich will hier sicherlich noch kein Resümee ziehen, dafür ist aktuell alles noch zu frisch. Das Bauchgefühl sagt mir aber, alles wird gut und endlich gehe ich wirklich meinen Weg! 100% konsequent!

 

Langsam greift ein Rad in das andere und das Schönste ist, wir fangen ja gerade erst wieder an, eben bei Null! 

 

Einige neue Ideen werden gerade umgesetzt und schon bald wird der nächste, in meinen Augen nur logische Schritt kommen. Dazu aber bald mehr… es soll ja spannend bleiben.

Mein Praxis-Tipp: Sucht euch einen Mentor, jemanden zu dem Ihr aufschauen könnt. Jemanden der diesen, euren Weg schon gegangen ist. Tauscht euch aus, redet offen über eure Wünsche, Ziele und auch über die Schattenseite, denn diese wird es immer geben.

Es gibt zahlreiche Berater, Coaches, Autoren oder Keynote Speaker wie sie sich heute dann nennen, die auf einer Bühne stehen und von ihrem tollen Konzept, von ihrem tollen Unternehmen und von sich selbst erzählen, wie toll sie sind. Sie erzählen in der Theorie, was sie selber in der Praxis nie wirklich und erfolgreich umgesetzt haben. Echt toll und extrem hilfreich! *Achtung Ironie

Meine Erfahrung in den letzten Jahren hat gezeigt:

Wenn man hier die Hälfte glaubt, ist man immer noch gut angelogen! (natürlich sind auch hier nicht alle gleich)

 

Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Wollt Ihr auch neue Wege gehen? Habt Ihr eine Vision und wollt diese umsetzen? Es fehlt euch aber noch der Mut den nächsten Schritt zu gehen? Schreibt mir doch einen Kommentar oder eine Mail zu diesem Thema.

 

Danke für eure Zeit,

Alexander Baumer

8 Antworten

  1. Danke, Alexander Baumer, für diesen tollen Beitrag. Er macht mir Mut, meine Geschichte, die sich ähnlich, aber in einer anderen Branche, abspielt, auch aufzuschreiben und zu veröffentlichen. Wir brauchen einfach mehr solcher Menchen wie Du und ich, die sich öffentlich z7 den ups and downs in der Selbstständigkeit bekennen.
    • Alexander Baumer
      Wer von sich behauptet das alles nur rosig und perfekt ist der belügt sich selber. Wir haben dieses Jahr in unseren Lamurista Schulungen fast 200 Teilnehmer geschult und immer wieder die Erfahrung gemacht, das es fast jedem gleich geht.Egal aus welcher Branche. Die Probleme sind immer die gleichen. Ich schreibe aus dem Alltag ohne einen Filter oder eine Show abzuspielen. Manchen finden das nicht so toll aber ich will einfach wachrütteln und Mut machen. Viele Grüße Alex Baumer
  2. WOW - offen und ehrlich! Vielen Dank für diesen Einblick in Dein Unternehmen und Hut ab vor Deinem Weg. Es ist doch immer auch etwas beruhigend dass andere Gewerke vor gleichen Herausforderungen stehen. Und jemand dahinter steht dem es "unter den Nägeln brennt" :) Ja - Geduld ist eine Tugend... Viele Grüße und viel Freude bei diesen rosigen Aussichten. Konrad
    • Alexander Baumer
      Gerne Konrad und Danke für dein Impuls. Ja es geht uns am Ende doch alle gleich. In der Branche getrennt mit den Problemen vereint. In unseren Schulungen erleben wir das ja fast wöchentlich das alle irgendwie die gleichen Probleme haben. Vielleicht kann ich den einen oder anderen helfen neuen Mut zu fassen. Es bleibt spannend. Beste Grüße Alex
  3. Ich bewundere deinen Mut und dein konsequentes Vorgehen. Respekt. Ich frage mich auch oft, wenn man schon selbständig ist, dann sollte man doch sein Umfrld so grstslten, wie man es am liebsten hat. Trotzdem sind da immer wieder die Zwänge in denen man steckt. Kunden, Wettbeweber auch die Mitarbeiter, die einen manchmal das Leben schwer machen. Geh deinen Weg, ich suche noch meinen. Gruß Sven Hoffmann
    • Alexander Baumer
      Hallo Sven, das Gleiche habe ich mich so oft in den letzten Monaten gefragt. Immer wieder wurde ich Opfer meines eigenen Betriebs und musste Dinge tun auf die ich keine Lust hatte. Für was ist man dann Selbstständig? Ich denke das dieser Weg der für mich einzig richtige ist. Wo dieser dann am Ende hinführt weiß keiner aber zumindest macht mir meine Arbeit wieder Spaß. Viele Grüße Alex Baumer
  4. Schön geschrieben Alex! Weiter so! Ich drücke dir die Daumen! :-)
    • Alexander Baumer
      Servus Josef, besten Dank für dein Kommentar. Freut mich das dir mein Beitrag gefallen hat. Danke fürs Daumen drücken und hoffentlich auf bald :-) VG Alex

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