Zutiefst unterschätzt – Abdeckarbeiten!

Heute schreibe ich über ein Thema, das mich seit vielen Jahren begleitet. Die Diskussion und die Preisgestaltung für Abdeckarbeiten.

 

Immer wieder kommt es vor, dass sich Kunden und Architekten über die hohen Preise für Abdeckarbeiten echauffieren. Doch wie setzen sich diese eigentlich zusammen?

 

 

Hier möchte ich erstmal auf die Wichtigkeit dieser Arbeiten hinweisen. Ohne ein sauberes Abdecken ist auch kein sauberes Ergebnis möglich. Der Wunsch, dass Möbel sauber bleiben, Steckdosen nicht angeschmiert werden oder im schlimmsten Fall der Parkettboden oder Teppich mit Farbe verschmutzt wird, kann wohl jeder für sich in Anspruch nehmen der einem Fachmann einen Auftrag erteilt.

Die ganze Thematik möchte ich Ihnen anhand eines aktuellen Beispiels erläutern:

 

Für einen Stammkunden sollten wir in einem Bürogebäude ein 3-Mann Büro (35 m² Grundfläche) streichen. Einfach weiß, nichts Außergewöhnliches, einfach so dass alles wieder frisch und sauber aussieht. Die Situation vor Ort gestaltete sich dann wie folgt.

 

Teppichboden, Schreibtische, Stühle, Pflanzen und ein paar größere Fenster. Um es auf den Punkt zu bringen. Alles was unsere Arbeit erschwert.

 

Wie gehen wir also bei einem solchen Auftrag vor?

Der erste Schritt, die Laufwege vom Auto bis zur „Baustelle“ werden mit einem Abdeckvlies abgedeckt. So bleibt auch der Gang sauber. Im nächsten Schritt decken wir den Büroboden vollflächig mit einem Abdeckvlies ab. Anschließend werden die Sockelleisten mit Klebeband und Abdeckpapier abzudecken.

Dies ist notwendig damit auch wirklich kein Tropfen Farbe auf den Teppichboden oder die Teppichsockelleiste tropft. Auch die Fensterrahmen werden mit einem Abdeckband abgeklebt.

Nun sind noch die Möbel und Pflanzen dran. Diese werden mit einer großen Folie eingepackt und abgedeckt.

Klingt nach viel Aufwand. Ist es auch.

 

In diesem Fall haben 2 Mitarbeiter ca. 2 Stunden abgedeckt.

 

Rechnen wir das mal durch. 2 Mitarbeiter a 2 Stunden = 4 Stunden a 49,50 € = 198,- €

Plus Abdeckmaterial: Abdeckvlies, Klebebänder, Folien etc. ca. 80 €

So kommen wir auf ca. 278,- € netto für die Abdeckarbeiten.

 

Das Büro ist also nun fertig abgedeckt und wir können mit dem Streichen beginnen. Jetzt wird es interessant. Die Malerarbeiten für den ersten Anstrich waren nach ca. 1,5 Stunden erledigt.

Man muss kein Genie sein um zu erkennen, was sich nun ergibt.

2 Mitarbeiter a 1,5 Stunden = 3 Stunden a 49,50 € = 148,50 €

Plus Material: 15 Liter Baumer Edelweiß ca. 60 €

 

So kommen wir auf ca. 208,50 € netto für die Malerarbeiten.

 

Es zeigt sich also, dass die Abdeckarbeiten mehr Aufwand waren als die eigentlichen Malerarbeiten. Mit einem zweiten Anstrich ändert sich diese Berechnung natürlich etwas, wenn man nun jedoch wieder dazu rechnet, dass wir die Abdeckungen ja auch entfernen und fachgerecht entsorgen müssen, wird es wieder spannend.

 

Mein Lehrherr sagte damals zu mir: „Gut abgedeckt ist schon halb gestrichen!“ früher wusste ich nicht genau was er damit meint. Heute gebe ich diesen Rat an meine Lehrlinge weiter.

 

Das Abdecken, eine zutiefst unterschätzte Leistung ist mit die Wichtigste für ein perfektes Ergebnis. Wer hier sparen will, spart definitiv am falschen Ende.

 

Dass wir da waren erkennt unser Kunde an den schönen Wänden, nicht an einem verschmutzten Boden oder Farbspritzern an der Einrichtung.

 

Liebe Leser, vielen Dank für eure Zeit und bis demnächst,

 

Euer Alexander Baumer

2 Antworten

  1. Ihre Rechnung und die Relation sowie die Wertigkeit können wir gut nachvollziehen. Leider werden solche Nebenleistungen selten vom Auftraggeber honoriert. Als Hersteller/Importeur von Interims- Folien- Staubschutzwänden wissen wir von dieser Problematik und, dass Staubschutz-Vorrichtungen gegebenfalls bezahlt werden, wenn es sich um Schimmelpilzsanierungen handelt oder von dem Auftraggeber die Staubschutzmaßnahmen als Sondernebenleistung anerkannt werden.... Mit staubfreien Grüßen Wolfgang Gaux
    • Alexander Baumer
      Ich gebe Ihnen zu 100 % recht. Ich hatte vor Jahren, als wir noch große Sanierungen ausgeführt haben die verrückte Idee, auch an Ausschreibungen für Absestsanierungen teilzunehmen. Brav wie ich bin, habe ich erstmal meine TÜV Zertifizierung gemacht, damit auch alles sauber und offiziell abgewickelt werden kann. Da lernt man dann das Kalkulieren für eine Asbestsanierung inkl. Abdeckarbeiten und Schutzmaßnahmen (ähnlich wie beim Schimmel) Ich kann mich noch erinnern, wir lagen bei ca. 57 €/m² für die Gesamtleistung Asbestplatten rückbauen. Die Submissionsergebnisse lagen zwischen 7-10 €/m² ... unfassbar... Man kann also gar nicht, wie vom TÜV vorgeschrieben, arbeiten weil es niemand bezahlt und die Handwerker es nicht verlangen. Beim Schimmel ist es doch ähnlich. Sobald kosten für eine Schwarz weiß Trennung anfallen zucken alle zusammen. Immer wieder traurig diese Themen. Vg Alex Baumer

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