Die Geschichte hinter einem ganz besonderen Auftrag

Mehr als nur ein Maler – Die Geschichte hinter einem ganz besonderen Auftrag

 

Es war im März 2013. Das Telefon klingelte und eine Frau S. aus Regensburg war am Telefon. Sie ist Innenarchitektin und saniert demnächst in Regensburg ein komplettes Haus. Dass mit Haus eine riesige Villa gemeint war, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen, dazu aber später mehr. Solche Anfragen gibt es ja fast täglich daher war ich erstmal nicht sonderlich berührt. Da es bis zu einem Auftrag immer ein weiter Weg ist, stumpft man in dieser Beziehung mit der Zeit ein wenig ab.

 

„Herr Baumer, es geht um Sichtbetonwände. Sie wurden mir wärmstens empfohlen, ich würde mich gerne bei Ihnen treffen um Muster von Ihren Betonwänden zu sehen!“

Sichtbeton, wärmste Empfehlung – mein Interesse war schlagartig geweckt. Also wurde ein kurzfristiger Termin in unseren bescheidenen Hallen vereinbart.

Jetzt muss ich dazu sagen, bescheidene Halle ist vielleicht noch etwas zu positiv ausgedrückt. Als Jungunternehmer, der die Firma selbst gegründet hat, kann ich leider nicht mit einem eindrucksvollen Firmengebäude oder einem Showroom dienen… (noch nicht 🙂 )

Also ein paar Eimer zur Seite gestellt, das WC geputzt und die Halle durchgekehrt, schon war ich bereit für meinen Termin. Ich als Person und meine Musterplatten mussten überzeugen.

Pünktlich erschien Frau S. zu unserem Termin. Ich war leicht nervös, weil so ein Kontakt zu einer Innenarchitektin für meine junge Firma schon auch immer ein Türöffner sein kann.

„Sie sind also der Sichtbeton-Zauberer?“ – ähm ja, wenn Sie das sagen. Es gibt sicherlich schlechtere erste Worte in einem ersten Kundengespräch. (Begeisterung steigt)

„Es geht um zwei Beton-Säulen die ausgebessert werden sollen“ 2 Säulen ausbessern??? (Begeisterung?? verflogen)

Ich muss erklären, dass ich natürlich auch kleinere Aufträge wertschätze. Wenn jedoch eine Architektin extra zu mir kommt weil Sie ein ganzes Haus saniert, war meine Hoffnung auf Größeres nicht unberechtigt, wie ich finde. Aber ok, was tun?

Das, was ich immer in solchen Situationen mache. Freundlich bleiben, kompetent und fachlich beraten und die Vorzüge meiner Firma präsentieren. Schon entwickelte sich sichtlich Interesse bei meinem lieben Gast.

Nach gut einer Stunde intensivem Austausch verabschiedete sich Frau S. mit den Worten: „Ich melde mich dann bei Ihnen!“

Na toll, wie oft habe ich diesen Satz schon gehört. (was ist dieses Begeisterung nochmal??) Wieder eine Stunde umsonst gearbeitet, einziger Vorteil – die Firmenhalle war mal wieder sauber aufgeräumt.

 

September 2014! – Ja, über ein Jahr später. Das Telefon klingelte und Frau S. aus Regensburg war am Telefon.

„Hallo Herr Baumer, können Sie sich noch an mich erinnern, ich bin die mit dem Sichtbeton!“

Natürlich kann ich mich an sie erinnern. Sofort ging mein Blick durch die wieder mal etwas vernachlässigte Firmenhalle. Es wird mal wieder Zeit aufzuräumen ging mir durch den Kopf. Doch Frau S. schaffte es, in Sekunden meine Gedanken an ihr Projekt zu fesseln.

„Herr Baumer, wir stehen gerade mitten in der Werkplanung, hätten Sie Zeit für mich. Es gibt einiges zu besprechen?“ Einiges? Na gut, 2 Säulen können natürlich im Auge des Betrachters einiges sein, dachte ich mir und vereinbarte selbstverständlich einen Termin. Dieses Mal wollten wir uns in ihrem „alten“ Haus treffen, somit blieb die Firmenhalle erstmal leicht angestaubt. (schade eigentlich)

Vorab bekam ich eine Mail mit den detaillierten Hausplänen und der Notiz: „Vielleicht haben Sie ja die eine oder andere Idee, die wir verwirklichen können!“

Ich dachte erst die gute Dame hat mir die falschen Dateien übersendet. Das kann doch nicht sein. Warum war ich verwundert? Die Pläne, die ich nun vor mir auf dem Bildschirm hatte, zeigten eine Cube Villa mit ca. 450 m² Wohnfläche, das Grundstück hatte passend dazu ca. 2.500 m². (Begeisterung entwickelte sich zu Euphorie) Da ist doch etwas mehr Fläche als zwei Säulen. WOW

Mit viel Vorfreude im Gepäck stand ich also pünktlich wie wir Handwerker sind (ich hasse das Klischee der unpünktlichen Handwerker – aber das ist ein anderes Thema), vor der Haustüre von Frau S. Diese begrüßte mich äußerst freundlich und bat mich zur Tür hinein. (Dass ich meine Schuhe ausgezogen habe, brauche ich wohl nicht erwähnen - selbstverständlich)

Was mich dann im Inneren des Hauses erwartete konnte ich bereits im Außenbereich erahnen. Puristische und geradlinige Einrichtung, stilvoll, elegant oder anders gesagt, die Dame weiß was sie tut. Respekt!

Sie zeigte mir ihr ganzes Haus damit ich einen ersten Eindruck von ihrem Stil bekomme. Sehr wichtig und wertvoll wenn es um die späteren Planungen geht.

 

Eine halbe Stunde später ging es dann in die Vollen. „Herr Baumer, wir haben einiges vor und dafür brauchen wir einen kompetenten Malermeister wie Sie.!“ Das klingt ja schon mal gut dachte ich mir. „Es geht um die kompletten Malerarbeiten. Innen müssen alle Wand- und Deckenflächen glatt, und mit glatt meine ich glatt, gespachtelt werden!“ Sowas machen Sie doch auch oder? Selbstverständlich machen wir sowas auch. (Euphorie steigt)

„Sehr gut, dafür bräuchte ich ein Angebot von Ihnen. Dazu soll in allen Bädern eine Wand mit Sichtbeton gespachtelt werden!“ Alle Bäder, klingt nach deutlich mehr als nur zwei Säulen, vor allem, wenn man 4 Bäder im Haus hat. Spätestens jetzt war mir klar, ich will diesen Auftrag!

Wir redeten noch viel über ihre Designer-Möbel, die verschiedenen Möglichkeiten im Bereich der Wandgestaltungen etc. – eben über alles was dazu gehört, wenn man mehr sein will als nur der Maler, der die Wände „anschmiert“.

Nach 4,5 Stunden wurde ich freundlich verabschiedet und noch im Auto dachte ich mir, das wäre ein super Auftrag für mein junges Unternehmen und perfekt passend zu meiner neuen Ausrichtung im hochwertigen Gestaltungsbereich. Ein Vorzeigeobjekt!

 

Also machte ich mich an die Arbeit. Ein detailliertes Angebot über 24 Seiten entstand, Musterplatten wurden angefertigt, Recherchen im Internet und bei meinen Lieferanten was ich meiner Kundin anbieten kann.

Es entstand plötzlich ein Gefühl, das in dieser Zeit und auch heute immer öfter in mir aufsteigt. Ich investierte meine Zeit in ein Projekt von dem ich nicht mal weiß ob ich den Auftrag bekomme. Ein paar nette Worte und schon wollte ich alles für meine Neukundin tun um sie zu begeistern. Dass dies immer mit erheblichem Arbeitsaufwand verbunden ist, war und ist mir durchaus bewusst, leider aber den meisten Kunden nicht.

 

Zwei Gedanken gingen mir durch den Kopf als es zum nächsten Termin, der Präsentation meiner Idee und meines Angebots kam. War meine Vorbereitungszeit (ca. 10 bis 12 Stunden) wieder mal umsonst und kann ich diese anspruchsvolle Kundschaft von mir und meinen Leistungen überzeugen?

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Besprechung die Dritte !!!

Um es kurz zu machen. Nach einem äußerst angenehmen, diesmal dreistündigen Termin, konnte mein Konzept überzeugen. Einen Auftrag hatte ich aber nicht. Frau S. bat um etwas Bedenkzeit, die ich ihr natürlich einräumte.

Nach ca. 2 Wochen. Ein Anruf von Frau S.

„Herr Baumer, bitte kommen Sie doch morgen zu mir, wir müssen über Ihr Angebot reden!“

Na bravo, zum Glück hat Sie nicht gleich gesagt wir müssen über den Preis reden. Das ist nämlich oft die erste Reaktion. Wie ich dann aber feststellen musste ging es nur um ein paar Kleinigkeiten die ergänzt werden mussten. Der Preis? Kein Thema! Warum?

„Herr Baumer, Ihre sympathische Art, die Zuverlässigkeit und Ihr Gespür für das Besondere haben mich total überzeugt. Natürlich habe ich ein zweites Angebot von einem Mitbewerber und zugegeben dieser war auch deutlich günstiger als Sie. Ich habe jedoch hohe Ansprüche und diese kann man nicht auf die Schnelle und billig ausführen! Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen“  PUNKT … Mehr geht wohl nicht.

Auftrag erhalten!! YES!! Und doch kam gleich auch wieder ein mulmiges Gefühl auf. Höchste Ansprüche, das kann auch richtig haarig werden.

Aber ich sagte zu mir: Das ist doch genau meine Stärke. Das Besondere bieten, Kunden begeistern indem sie mehr bekommen als sie erwarten und eben nicht 0815.

Die Baustelle im Rohzustand

 

Die Baustelle begann, wie das eben oft so ist, mit 2 Monaten Verzögerung der anderen Gewerke. Für die Malerarbeiten waren dann 6-7 Wochen eingeplant plus 1 Woche als Puffer. Ich darf vorweg nehmen das wir am Ende mehr als 14 Wochen in und an dieser Villa beschäftigt waren.

 

Aus einer Neukundin, die über eine Empfehlung zu uns kam wurde über die Bauzeit eine Wunschkundin.

Manchmal mussten ich und mein Team auch als Mutmacher, Seelenvertrauter und Partner mit einer Schulter zum Anlehnen aushelfen. So ein Projekt schweißt zusammen und das Ergebnis kann sich sehen lassen!

„Herr Baumer, ich habe zu keiner Sekunde an Ihnen und Ihrem Team gezweifelt.“ Sie kennt viele Handwerker und auch Maler aber so eine Qualität hat sie noch nicht erlebt! (positiv natürlich J )

Das ging natürlich runter wie Öl. Was war der entscheidende Faktor?

Eine Kundin die unsere Arbeit wertschätzt. Die unsere Qualität sieht, versteht und an sich den gleichen Anspruch stellt. Eine Basis des uneingeschränkten Vertrauens. Das Wissen, dass Qualität ihren Preis hat. Die Bereitschaft diesen Preis auch zu zahlen.

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Das fertige Haus mit dem einladenden Flur

Letztendlich mein Team das dem Kunden wirklich jeden Wunsch erfüllt ohne ein großes Drama daraus zu machen. Ja, es gab Wände die wir drei oder viermal neu gestalten mussten da sich Frau S. nicht endgültig entscheiden konnte. Schwarz, weiß, nein doch schwarz, nein doch eher weiß, vielleicht anthrazit – am Ende wurden besagte Flächen schwarz.

 

Ein besonderer Auftrag, eine besondere Kundschaft und die Erkenntnis, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Natürlich ist auch bei uns nicht alles perfekt aber wir arbeiten daran.

 

Vielen Dank für Ihre Zeit,

 

Ihr Alexander Baumer

Kleine Anmerkungen:

Die 2 Beton-Säulen die unsere Kundschaft anfangs erwähnt hatte, gab es wirklich. Diese wurden als einziges aus dem Bestand erhalten. Wir konnten diese alten Schmuckstücke komplett freilegen, reinigen und hydrophobieren.

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DIE Betonsäule mit der alles begann

 

Unser bescheidene Firmenhalle wird mittlerweile regelmäßig aufgeräumt und sauber gehalten 🙂

Mittlerweile gibt es in der Villa zwei weitere Sichtbetonwände.

Das „Weiterempfehlungsmarketing“ von Frau S. bringt uns bis heute immer wieder neue interessante Aufträge im hochwertigen Gestaltungsbereich. Dafür auch hier nochmal ein herzliches DANKE!

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